Die Aufbaujahre 1945 | Nach dem Staatsvertrag | Die siebziger Jahre | Die achtziger Jahre


NR-Wahl - Kreisky, Taus / Contrast Photo GesmbHDie siebziger Jahre sind die Zeit des Umbruchs und der gesellschaftlichen Erneuerung, des wirtschaftlichen Aufschwungs mit kleinen Einbrüchen (Erdölkrise 1974) und der Kultur- und Bildungsdebatten. Politisch sind sie untrennbar mit Bruno Kreisky verbunden, der als Kanzler die SPÖ mit absoluter Mandatsmehrheit ab den Nationalratswahlen am 10. Oktober 1971 führen konnte. Es sind zwiespältige und vielfältige Entwicklungen, die schon die ersten Jahre des Jahrzehnts charakterisieren. Österreich liegt im nationalen Taumel, dem sich auch Medien wie die AZ nicht entziehen können als der Skifahrer Karl Schranz im Februar 1972 von der Teilnahme an den Olympischen Spielen in Sapporo ausgeschlossen wird. Kärntens Nationale demontieren im Oktober des selben Jahres die zweisprachigen Ortstafeln im Lande. Europas sozialdemokratische Führer Willy Brandt in Deutschland, Olof Palme in Schweden und Bruno Kreisky in Österreich werden zu politischen Symbolfiguren mit internationaler Reputation.

In Österreich bestimmen soziale Reformen die Debatten: Die Einführung des Gratis-Schulbücher (1972) oder das neue Gesetz zur breiteren Öffnung der Universitäten (April 1975), Debatte und Beschluss eines moderneren Strafrechts und der Fristenlösung (November 1973 bis Jänner 1974). Immer wieder ist aber die mit absoluter Mehrheit regierende SPÖ auch in Skandale und Affären verstrickt. In Wien etwa beginnen im März 1976 die Ermittlungen um den hoch verschuldeten „Bauring“, an dem die Stadt beteiligt ist, 1977 muss Verteidigungsminister Karl Lütgendorf wegen einer Munitionsaffäre zurücktreten.
Chronikale und menschliche Katastrophen bleiben als Zäsuren in Erinnerung: Am 1. August 1976 stürzt in Wien die Reichsbrücke ein, am selben Tag verunglückt der Autorennfahrer Niki Lauda.

Zwentendorf / Contrast Photo GesmbHSchon kurz nach den Wahlsiegen der SPÖ hatte in der AZ mit Manfred Scheuch ein neuer Chefredakteur die Leitung übernommen. Der Ende der sechziger Jahre eingeleitete Veränderungs- und auch personelle Verjüngungsprozess wurde fortgesetzt. Viel Aufsehen hatte das Engagement der „roten Gräfin“ Barbara Coudenhove-Kalergi für das außenpolitische Ressort erregt. Günter Traxler etablierte sich als einer der wichtigsten innenpolitischen Kommentatoren des Landes, Paul Uccusic übernahm wichtige Agenden der Lokalredaktion. Heribert Benesch berichtet gemeinsam mit Hans Etlinger und Alfred Nimmerrichter aus der Welt des Sports. Hans Walter Christ, später Österreichs erster Zeitungs-„Ombudsman“ gehörte Anfang der siebziger zum engen Redaktionsteam wie Günther Poidinger (TV) oder Wirtschafts-Redakteur Helmut Romé. Und dennoch: das Blatt, auch grafisch ab September 1970 nur noch als „AZ“ verkauft, geriet just in den Zeiten der größten SPÖ-Erfolge in immer mehr ökonomische Schieflage. Intern sollte ein Redaktionsstatut – das erste in Österreich – für journalistische Unabhängigkeit sorgen, Vorschläge der Redakteure zur Etablierung der AZ als ein parteiunabhängiges, wiewohl linkes Blattes wurden aber von Kreisky stets verworfen. Dennoch oder gerade deshalb konnten sich viele Redakteure, wie etwa auch die Politik-Berichterstatter Ulrich Brunner und Hans Besenböck, die später zum ORF wechselten, großes Ansehen in der Branche erarbeiten. Junge Reporterinnen wie Christa Karas stießen zum Team.
In der Diskussion um das Kernkraftwerk Zwentendorf, die bei der Volksabstimmung am 5. November 1978 mit der größten Niederlage Kreisky in den siebziger Jahren endete, war denn auch die AZ weiterhin streng auf Parteilinie geblieben, obwohl ein Teil der Redakteure und Teile der SPÖ der Kernkraft durchaus kritisch gegenüber standen.

Im Sport aber schien das Land einig. Die Olympischen Winterspiele 1976 – Gold in der Abfahrt durch Franz Klammer - in Innsbruck hatten für viel Reputation gesorgt. Als endgültigen Durchbruch eines österreichischen Nationalbewusstseins wollten in diesen Jahren viele aber ausgerechnet ein Fußballspiel sehen: Österreichs 3:2 über den Erzrivalen Deutschland bei der WM 1978 in Cordoba und das legendäre Siegestor des Hans Krankl waren Anlass zu nationaler Feierstimmung. „Goleador trumpft auf – Krankls Tore sind super“, war auch die AZ im Siegestaumel.
Im Mai 1979 ist sie es zur eigenen Überraschung neuerlich: Die SPÖ unter Kreisky wird trotz Zwentendorf-Niederlage und deutlicher Verschleißerscheinungen mit absoluter Mehrheit im Amt bestätigt. In der ÖVP macht deswegen Josef Taus kurz darauf für Alois Mock als Parteiobmann Platz. In Wien wird kurz nach der nationalen Wahl, am 18. Juni 1979, der SALT II Vertrag von US-Präsident Jimmy Carter und dem sowjetischen Staatschef Leonid Breschnew unterzeichnet. Die UNO-City wird im August offiziell übergeben, und im Mai 1980 schließlich Rudolf Kirchschläger als Bundespräsident im Amt bestätigt.

Jahresspiegel
Wahlnacht '71 / vga, wien: az-fotoarchiv1971
"Mehr als 50 Prozent!" Die 9. Nationalratswahl der II. Republik bringt erstmals die Stimmenmehrheit für die SP.
Waldheim Generalsekretär der UNO Österreichs Botschafter bei den Vereinten Nationen Kurt Waldheim wird zu deren Generalsekretär gewählt.
1972
Karl Schranz ausgeschlossen Karl Schranz wird vom Internationalen Olympischen Komitee von den Winterspielen in Sapporo wegen Verstoßes gegen die Amateurbedingungen ausgeschlossen.
Ortstafelstreit In Kärnten kommt es zu Auseinandersetzungen wegen zweisprachiger Ortstafeln. Kreisky appelliert an Kärntner.
1973
Geiselnahme in Marchegg Zwei arabische Terroristen überfallen Zug in Marchegg und nehmen jüdische Emigranten als Geiseln.
Nobelpreis für Lorenz und Frisch Konrad Lorenz und Karl von Frisch erhalten den Nobelpreis für Medizin.

Bruno Kreisky / Contrast Photo GesmbH1974
Tage zum Ausschneiden Der wegen der Erdölknappheit eingeführte "autolose Tag" verpflichtet zur Kennzeichnung.
Abtreibung liberalisiert Mit einem Beharrungsbeschluss - notwendig aufgrund des ÖVP-Vetos im Bundesrat - wird die Abtreibung liberalisiert.
1975
Ford trifft Sadat in Salzburg Der US-Präsident Ford und der Ägyptische Staatspräsident Sadat treffen in Salzburg zu Nahostgesprächen zusammen.
Terror in Wien Der OPEC-Sitz in Wien wird Schauplatz eines Anschlags. Mit 33 Geiseln in ihrer Gewalt werden die Terroristen nach Algier ausgeflogen.
1976
Winterspiele Innsbruck Erneut nach 1964 kommen die olympischen Winterspiele nach Innsbruck. Am Tag nach der Eröffnung holt Klammer Gold in der Abfahrt.
Reichsbrücke eingestürzt Die Reichsbrücke in Wien stürzt am Morgen des 1. August ein. AZ bringt einen 5seitigen Sonderbericht.
Lauda schwer verletzt Niki Lauda verunglückt beim Formel I Rennen auf dem Nürburgring schwer.

1977
Feuerwehr Großalarm Tausende Liter Benzol waren aus einem defekten Tankwagen ausgetreten und in Brand geraten.
Palmers entführt Der Großindustrielle Palmers wird entführt und später gegen Lösegeld freigelassen. Am 25.11. berichtet die AZ über Festnahme der Täter.
1978
Cordoba 3:2 Österreichs Fußball-Nationalmannschaft gewinnt bei der WM in Argentinien nach 47 Jahren erstmals wieder gegen Deutschland.
Zwentendorf Abstimmung Am Tag der Volksbstimmung ruft die AZ zu einem Ja zu "Zwentendorf" auf. 50,47 % stimmen dennoch dagegen.
"Weltrekordtunnel" Der Arlberg-Straßentunnel mit knapp 14 km längster Straßentunnel der Welt wird eröffnet.
"Das war 1978" Das Jahr, in dem es beinahe Frieden gab - Ein AZ Rückblick

Waldheim, Androsch - UNO-City / Rudolf Semotan / vga, wien: az-fotoarchiv1979
Salt II unterzeichnet US-Präsident Carter und der sowjetische Staatschef Breschnjew unterzeichnen das Salt II-Abkommen.
Nahostgespräche In Wien treffen PLO-Chef Arafat, der SPD-Vorsitzende Brandt und Kreisky zu Nahostgesprächen zusammen.
UNO-City eröffnet In Wien wird die UNO-City übergeben. In einer Beilage dokumentiert die AZ die Ansprachen.
Das waren die 70er Ein kurzer Rückblick der AZ über die 70er Jahre.
1980
Die kleine Figur meines Vaters Mit diesem Roman (als AZ-Serie veröffentlicht) über den Fotografen Walter Henisch wurde dessen Sohn Peter als Schriftsteller berühmt.
25-Jahre Staatsvertrag Rudolf Kirchschläger erzählt in einer AZ-Serie wie es zum Staatsvertrag kam.
AKH-Skandal Der spätere Hauptangeklagte Adolf Winter wird festgenommen.
Kirchschläger wiedergewählt Mit knapp 80 % gleich im ersten Wahlgang wird Kirchschläger eindeutig bestätigt.