Die Aufbaujahre 1945 | Nach dem Staatsvertrag | Die siebziger Jahre | Die achtziger Jahre


4 im Jeep / Contrast Photo GesmbHDie zweite Republik ist erst wenige Monate alt, die provisorische Regierung noch im Amt, da werden von den alliierten Befreiern Österreichs auch die einstigen Zeitungen der politischen Parteien wieder zugelassen. Am 5. August erscheint neben dem „Kleinen Volksblatt“ der ÖVP und der kommunistischen „Volksstimme“ auch die legendäre „Arbeiter-Zeitung“ unter der Leitung ihres Chefredakteurs Oscar Pollak wieder. Die Arbeiter-Zeitung, 1889 gegründet, ab 1934 in der Illegalität, war ein gutes Jahrzehnt nach ihrem Verbot für 100.000 Österreicher wichtiges Symbol für die wieder erlangte Freiheit. Im folgenden Jahrzehnt war sie nicht nur Chronist des politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Wiederaufbaus – sie wurde „die Zeitung, die sich was traut“.

Junge Reporter wie Franz Kreuzer, Friedrich Katscher oder Alois Brunnthaler berichteten vom schwierigen Alltag der Nachkriegsjahre. Sie prangten die Übergriffe der „Unbekannten“ im Nachkriegs-Wien an, der sowjetischen Besatzer. Sie arbeiteten unter Anleitung routinierter Redakteure wie Alois Piperger, Jacques Hannak, Friedrich Scheu oder Josef Sterk. Die Leitartikel von Chefredakteur Pollak haben nicht nur Wortgewalt, sondern reale politische Macht. Die Arbeiter-Zeitung berichtet bereits von den ersten freien Wahlen, die der ÖVP eine knappe absolute Mandatsmehrheit bringen, der Angelobung der Regierung von Bundeskanzler Leopold Figl im Dezember 1945 und begleitet das kommende Jahrzehnt als eine der meist gelesenen österreichischen Zeitungen.

Hanappi (gg Belgien '52) / vga, wien: az-fotoarchivIhre Stärken liegen neben der Politik- vor allem in der Kulturberichterstattung und in den chronikalen und kommunalen Reportagen. Aber auch sportliche Erfolge – von Richard Menapaces Glocknersieg (1949) über Traude Beiser-Jochums Olympiagoldmedaille in der Damenabfahrt (1952) bis zum 3. Platz der österreichischen Fußballer bei der WM in der Schweiz (1954) - berichtet die Zeitung mit Reportern vor Ort ausführlich. Bei den großen Streiks des Jahres 1950, gesteuert und unterstützt von den Sowjets und den KPÖ-Betriebsräten, ist die AZ-Berichterstattung eine Speerspitze zur Unterstützung von Exekutive und des Gewerkschaftsbundes bei der Niederschlagung der Streiks. Die Redakteure Karl Hans Sailer und Karl Ausch geißeln in täglichen Leitartikeln die kommunistischen Aktivisten und kommentieren die Niederschlagung des „kommunistischen Putschversuchs“.

Im Feuilleton der Arbeiter-Zeitung, einer der bekanntesten Autoren dieses Genres war Richard Kurfürst unter dem Pseudonym „West“, erhielten viele später berühmte Journalisten und Autoren ihre erste Publikationsmöglichkeit: Unter ihnen auch der spätere Romanautor Johannes Mario Simmel. Als im März 1950 der Film „Der Dritte Mann“ in Wien anläuft, sagt die Kritik der „Arbeiter-Zeitung“ diesem zwar sachliche Fehler in der Beschreibung des Nachkriegs-Wien nach, ist aber dennoch sicher: „So muss ein Film aussehen, der Erfolg hat“.

Jahresspiegel
Care-Pakete / Contrast Photo GesmbH1945
Die AZ erscheint wieder Die erste Ausgabe der Arbeiter-Zeitung nach dem II. Weltkrieg erscheint. Die letzte legale Ausgabe davor erschien am 12. Februar 1934.
Erste Wahlen Erste Nationalratswahlen der II. Republik. Eine Sonderausgabe der AZ berichtet über den Sieg der SPÖ in Wien.
Renner Bundespräsident Dr. Karl Renner wird von der Bundesversammlung gewählt. Noch am selben Tag ernennt er die Bundesregierung, der auch ein KP Minister angehört.
1946
Südtirol-Autonomie Außenminister Gruber und der italienische Premier de Gasperi schließen ein erstes Abkommen über die Autonomie Südtirols.
Nürnberger-Prozeß Das Alliierte Militärgericht in Nürnberg verkündet die Urteile gegen 21 Hauptkriegsverbrecher.
1947
Appell an die Bevölkerung Die Regierung richtet einen Appell zum Durchhalten an die Bevölkerung. In London beginnen erste Verhandlugen zum Staatsvertrag.
Marshallplan-Hilfe vereinbart In Wien unterzeichnen die USA und Österreich ein Abkommen, wonach sich die USA zu umfangreichen kostenlosen Hilfslieferungen an Österreich verpflichten.
Erste Heimkehrer Die AZ berichtet euphorisch vom Empfang der ersten Heimkehrer aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft.
1948
Amnestiegesetz Der Nationalrat beschließt einstimmig die Amnestie für sog. minderbelastete ehemalige Mitglieder der NSDAP.
Olympiasiegerin Bauma Herma Bauma gewinnt bei den XIV.Olympischen Spielen in London den Speerwurf mit 45,57 Metern.
1949
Hoffnung auf Staatsvertrag "Staatsvertrag bis 1. September" gibt die AZ die euphorische Stimmung nach Einigung bei einer Außenministersitzung in Paris wider.
Glockneretappe der 1. Radrundfahrt Das Radrennen "Rund um Österreich" wird erstmals ausgetragen. Der spätere Sieger Richard Menapace (AUT) gewinnt am Glockner.
Fortsetzung folgt "Der Mörder trinkt keine Milch" - der erste Krimi von J.M. Simmel - wird in 59 Teilen in der AZ abgedruckt (bis 9.10.).
"Unentschieden" So titelt die AZ in einer Sonderausgabe zur NR-Wahl, trotz großer Verluste durch den Antritt der WdU.
1950
Der dritte Mann Filmkritik zur Premiere "Die reine Handlung des Films ist also, vor allem für den Wiener der sich 'auskennt' nicht ganz hieb- und stichfest."
Austria Meister Bilanz der erstmals ausgetragenen gesamtösterreichischen Staatsliga.
Oktoberstreik Der Beschluss des vierten Lohn- und Preisabkommens führt zu Demonstrationen und Streiks. Die AZ versucht täglich dagegen zu halten.
1951
Renner verstorben Bundespräsident Dr. Karl Renner verstirbt am 31. Dezember 1950. In der AZ erscheint ein umfangreicher Nachruf.
"Das war ein Sieg!" Körner gewinnt die erste Direktwahl zum Bundespräsidenten in der Stichwahl gegen Heinrich Gleißner (ÖVP).
Fleischlose Tage Zur Überwindung der Fleischkrise darf jeweils Dienstag und Donnerstag kein Fleisch verkauft oder in Gaststätten verabreicht werden.

Pummerin / vga, wien: az-fotoarchiv1952
Neue Pummerin in Wien Der Zug der Pummerin zum Stephansplatz wird von tausenden Wienern begleitet.
"Wir bauen selber!" Wiens Bürgermeister Jonas erinnert bei der Grundsteinlegung zur 25.000 Gemeindewohnung an den ersehnten Staatsvertrag.
Westbahn elektrifiziert Mit der Fertigstellung des letzten Teilstücks von Wien bis Amstetten ist nunmehr die gesamte Westbahn elektrifiziert.
1953
Bradl gewinnt Tournee Sepp "Bubi" Bradl gewinnt die zum ersten Mal ausgetragene Vier-Schanzen-Tournee.
SPÖ stimmenstärkste Partei Bei der NR-Wahl erhält die SPÖ die meisten Wählerstimmen, bleibt aber nach Mandaten hinter der ÖVP.
1954
Lawinenkatastrophe in Vorarlberg Vor allem das Walsertal und das Montafon sind von der größten Lawinenkatastrophe des Landes getroffen.
"Heilbronner Dachsteinkatastrophe" Zehn Schüler und drei Lehrer aus Heilbronn bei Stuttgart sterben bei einer Bergtour im Dachsteinmassiv.
Österreich WM-Dritter Die österreichische Fußball-Nationalmannschaft wird mit einem Sieg über Uruguay Dritter der WM in der Schweiz.
Hochwasser in Ostösterreich Weite Gebiete entlang der Donau in Ober- und Niederösterreich werden verwüstet.
Vertrag von Triest In London wird der Vertrag von Triest unterzeichnet und der Freistaat zwischen Italien und Jugoslawien geteilt.